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Sckells Gärten und Parks

Eng­lischer Land­schafts­garten an der Alten Schmelz in St. Ingbert

Überblick

Name der Anlage

Englischer Landschaftsgarten an der Alten Schmelz in St. Ingbert

Verwalter

k.A.

Adresse

Alleestraße 11,
66386 St. Ingbert

Fläche der Anlage

Ursprüng­lich 32 Hektar

Entstehungszeit

1782 – 1842

Zustand

Teilweise erhalten

Über den Land­schafts­garten

Marianne von der Leyen, die nachweislich Kontakte mit Friedrich Ludwig von Sckell pflegte und ihn mit der Gartenanlage Rilchingens als ihren Alterssitz beauftragte, war auch Eigentümerin des Eisenwerks in St. Ingbert. Daher liegt die Vermutung aufgrund der „Handschrift“ der Parkanlage nah, dass es sich möglicherweise auch hier um ein Werk Friedrich Ludwig von Sckells handeln könnte.
Nach der Übernahme des St. Ingberter Eisenwerks als Pächter 1791 erweiterte die Familie Kraemer das Werk und baute es zu einem der wichtigsten Hüttenwerke in der Region aus. Ein erster Landschaftsgarten wurde 1811 westlich des Eisenwerks angelegt, der sich an den 1782 vorhandenen, geometrisch angelegten Obst- und Gemüsegarten anschloss. In einem zweiten Schritt wurde die Anlage bis 1842 auf die endgültige Größe von 32 ha erweitert, wie aus einem Katasterplan ersichtlich wird.

St. Ingbert Krämersche Garten 1844

Eng­lischer Land­schafts­garten an der Alten Schmelz in St. Ingbert, Kraemerscher Garten, 1844, © Landesdenkmalamt des Saarlandes

Eng­lischer Land­schafts­garten an der Alten Schmelz in St. Ingbert, Kraemerscher Garten, 1844, © Landesdenkmalamt des Saarlandes

Englischer Landschaftsgarten St. Ingbert, ALte Schmelz, Katasterplan von 1842
Eng­lischer Land­schafts­garten an der Alten Schmelz in St. Ingbert, Katasterplan von 1842, © Landesdenkmalamt des Saarlandes
Eng­lischer Land­schafts­garten an der Alten Schmelz in St. Ingbert, Katasterplan von 1842, © Landesdenkmalamt des Saarlandes

Der Landschaftsgarten erstreckte sich westlich des Eisenwerks. Auffälligstes Gliederungselement war eine vom Eisenwerk nach Westen führende Nadelbaumallee. Ein von Bäumen eingefasster runder Platz, der Aussicht über das Tal und das Werk bot, bildete den Endpunkt der Allee. Von der Einfassungsmauer mit Schlackesteinen, die ursprünglich den ganzen Park umschloss, ist heute nur ein Abschnitt erhalten. Zwischen dem runden Platz am Ende der großen Allee und einem früheren Weiher zeigt eine Katasterkarte von 1842 die Anlage eines kleinen Weinbergs.
Ein Plan des Gärtners Heinrich Antz aus dem Jahr 1844 lässt die abwechslungsreiche Struktur des Parks mit Wiesental und unregelmäßig angeordneten Strauch- und Baumgruppen erkennen. Mehrere Gebäude wie ein Schweizerhaus, ein Pförtnerhaus, ein Taubenhaus sowie eine Fasanerie wurden in den Park integriert, sind heute aber nur noch in Wort und Bild vorhanden. Familie Kraemer erbaute 1870 neben dem Entenweiher eine großzügige Villa, genannt das „Kraemersche Schlösschen“ (um 1970 abgebrochen). 1892 und 1905-08 wurden zwei Direktorenvillen im Park errichtet und eine Mauer erbaut, die den Park mittig durchquert.

Durch spätere Werkserweiterungen ging der frühere Küchengarten verloren. Bei späteren Erweiterungen der Produktionsstätten ging auch der Entenweiher verloren. Nach dem Tod des letzten Generaldirektors im Jahr 1912 wurde der Besitz aufgeteilt und der Park nicht mehr gepflegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der westliche Teil, der inzwischen durch Wildaufwuchs forstwirtschaftlich geprägt war, an die Stadt St. Ingbert verkauft. Diese legte auf den zum Park gehörenden ehemaligen Ackerflächen ein Gewerbegebiet an, das zusammen mit dem Bau einer Hochspannungstrasse zu weiteren Verlusten führte. Dennoch wurde der Landschaftsgarten als bedeutendes Gartenkunstwerk im Rahmen der Erfassung des Ensembles „Alte Schmelz“ 1988 in die Denkmalliste aufgenommen.

– Dr. Gregor Scherf & Stella Junker

Literatur

Becker, Herrmann-Joseph: Wo des Saarlands Heilborn quillt, Saarbrücken 1926.

Eid, Ludwig: Marianne von der Leyen, Saarbrücken 1937.

Junker-Mielke, Stella: Barocke Gartenlust. Auf Spurensuche entlang der BarockStraße SaarPfalz, Regensburg 2008.

Legrum, Kurt: Gräfin Marianne von der Leyen. Journal meiner Unglücksfälle… eine eigenhändige Aufzeichnung ihrer Flucht vor den französischen Revolutionären im Mai 1793, Blieskastel 2001.

Ders. (Bearb.): Die Grafen von der Leyen und das Amt Blieskastel, Katalog der Ausstellung der Stadt Blieskastel, Blieskastel 1991.

Ders.: Friedrich Ludwig von Sckell und sein Beitrag zur Gartengestaltung in der Herrschaft Blieskastel am Ende des 18. Jahrhunderts, in: Saarpfalz. Blätter für Geschichte und Volkskunde Heft 83 (2004/4), S. 5-18.

Gartenhistorische Untersuchung der Landschaftsarchitektin Stella Junker Mielke, Worms 2006.

Lupp, Peter Michael: Der verborgene Rilchinger Schlossgarten Friedrich Ludwig von Sckell, 1792, handschriftlich verfasste Erklärung zur neuen Gartenanlage der Annahalle bei Wölferdingen für Sr. Excellenz, der verwittibten Frau Gräfin von der Leyen, Veröffentlichung Mai 2023.

Strauss, F. L.: Ein Dorf und seine Geschichte, Heimatbuch, Rilchingen-Hanweiler 1996.

Spies, Heinz: Kunstgeschichtliche Wanderungen im Landkreis St. Ingbert, St. Ingbert 1973.

Zimmermann, Walter: Die Kunstdenkmäler der Stadt und des Landkreises Saarbrücken, Saarbrücken 1932.